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Krebs in jungen Jahren» Einfluss auf den Hormonhaushalt
Schutz vor frühzeitigen Wechseljahren
Bei allem Einfluss der Hormone auf die körperliche Grundverfassung stellt sich die Frage: Wie können sich junge Krebspatientinnen überhaupt vor den bevorstehenden Hormonmangelerscheinungen schützen? Eins ist klar: Ist der Follikelvorrat in den Eierstöcken einmal zerstört, ist der vorzeitige Eintritt in die Wechseljahre nicht umkehrbar. Doch das muss nicht sein! Nicht für alle, aber für viele Patientinnen gibt es Möglichkeiten, mit denen sie ihre Eierstöcke schützen können.
Eierstöcke vor Strahlen verbergen
Die "Hormonfabrik" Eierstöcke kann durch Strahlen geschädigt werden. Für Frauen gibt es eine Möglichkeit, sich davor zu schützen. Dabei werden die Eierstöcke vor der Bestrahlung durch einen operativen Eingriff aus dem Strahlenfeld verlegt. Sie verschwinden beispielsweise hinter die Gebärmutter und sind dort nicht der direkten Strahlung ausgeliefert. Nach der Behandlung werden sie wieder an ihren richtigen Platz gerückt.
Die Hormone steuern - Wechseljahre nur auf Zeit
Anti-Hormontherapien nehmen heute einen entscheidenden Platz im Schutz junger Frauen vor dem Verlust der Fruchtbarkeit ein, denn sie haben die positive Eigenschaft, durch ihren Wirkmechanismus die Eierstöcke zu schützen.
Vorteile für Brustkrebspatientinnen
Bislang profitieren überwiegend junge Brustkrebspatientinnen von dieser schützenden Eigenschaft der GnRH-Agonisten. In der Regel erhalten sie die Anti-Hormontherapie , wenn ihr Tumor hormonsensitiv ist, d.h. durch Hormone wächst. Selbst in Kombination mit einer Chemotherapie kann die Anti-Hormontherapie die Eierstöcke schützen. Der Wirkstoff Goserelin blockiert im Gehirn das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) . Das GnRH ist vor den Wechseljahren für die natürliche Hormonproduktion verantwortlich, indem es die Abgabe der Hormonvorstufen FSH und LH durch die Blutbahn an die Eierstöcke steuert. Durch die Blockade werden FSH und LH nicht ausgeschüttet. Der Mangel dieser beiden Stoffe in den Eierstöcken setzt die Hormonproduktion herab. Ähnlich wie in der Zeit vor dem ersten Eisprung verharren die Eifollikel dadurch in einem Ruhezustand, der sie vor den schädlichen Wirkungen der Chemotherapie gut schützt und sozusagen für die Zeit nach der Chemotherapie "konserviert".
Circa 14 Tage nach Einsetzen der Anti-Hormontherapie hat die Patientin den hormonellen Status einer Frau in den Wechseljahren erreicht. Das Entscheidende dabei ist: Nach Absetzen der Medikamente kann wieder der normale Regelzyklus einsetzen, die Begleiterscheinungen des zeitlich befristeten Hormonentzugs gehen zurück, und die Patientin kann wieder schwanger werden. Die Patientin erlebt quasi "Wechseljahre auf Zeit".
Und die anderen?
Derzeit gibt es noch keine Standardtherapie zum Schutz der Eierstöcke. Rund 70 Prozent der Leukämie- und Lymphompatientinnen müssen heute noch damit rechnen, nach der Chemotherapie ihre Fruchtbarkeit zu verlieren. Das soll sich in Zukunft ändern. Experten hoffen, auch Patientinnen ohne hormonsensitivem Tumorwachstum die schützende Eigenschaft von GnRH-Agonisten nicht mehr vorenthalten zu müssen. Noch im Jahre 2004 startet daher eine neue, groß angelegte Studie, die endgültig die schützende Eigenschaft der GnRH-Agonisten bestätigen soll.
Bislang hat es mehrer kleine Studien gegeben, in denen die positive Wirkung der GnRH-Agonisten auf die Ovarien bereits nachgewiesen werden könnte. In einer italienischen Studie (Reccia, 2002) zum Beispiel wurden 93 junge Frauen mit Brustkrebs untersucht. Bei allen wurde vor Beginn der Chemotherapie eine Goserelin-Therapie initiiert, die über insgesamt ein Jahr fortgesetzt wurde. Nach sechs Jahren haben 84% der derart behandelten Frauen wieder ihre Regel bekommen; auch normal verlaufende Schwangerschaften traten auf.
In einer israelischen Studie (Blumenfeld, 2002) wurde der Erhalt der Fruchtbarkeit durch GnRH-Agonisten bei Patientinnen mit hämatologischen Neoplasien, zu denen auch Leukämien und Lymohome zählen, getestet. Eine Patientinnengruppe erhielt vor und parallel zur Chemotherapie eine Goserelin-Behandlung. Ca. 90 Prozent dieser Patientinnen waren nach der Therapie fruchtbar. 19 von ihnen im Alter zwischen 18 und 34 wurden spontan schwanger, inzwischen kamen 24 Kinder zur Welt. Bei der Patientinnengruppe hingegen, die nur chemotherapeutisch behandelt wurden, waren 50 Prozent der Patientinnen nach der Behandlung unfruchtbar.
Weitere Informationen dazu lesen Sie im Experteninterview. |