Krebs in jungen Jahren» Einfluss auf den Hormonhaushalt

Der Hormonhaushalt der Frau

Für die körperliche Entwicklung der Frau spielt das Auf und Ab der Sexualhormone eine wichtige Rolle. Vor den Wechseljahren sind die Eierstöcke (Ovarien) - mit ihrem scheinbar unbegrenzten Vorrat an Eibläschen (Eifollikel) - die Produktionsstätte der Hormone. Bei der Geburt befinden sich in den Eierstöcken schätzungsweise 1,2 Millionen dieser winzigen kleinen Beutel (Follikel), die in ihrem Inneren jeweils eine Eizelle enthalten.

Zehntausend, neuntausend, achttausend, siebentausend..
So viele es auch sind, der Vorrat an Eizellen ist begrenzt. Anders als beim Mann, der Spermien ständig neu produzieren kann, müssen die Eizellen der Frau für ihr ganzes Leben reichen. Dennoch geht der Körper sehr großzügig mit seinem begrenzten Vorrat um. Pro Zyklus wird zwar meist nur eine Eizelle befruchtungsfähig und durch den Eisprung in den Eileiter transportiert. Mit ihr reifen jedoch circa 1000 weitere Eizellen heran, die ungenutzt absterben. Mit jedem Zyklus verliert die Frau somit etwa 1000 Eizellen, selbst wenn es zu keiner Befruchtung oder Schwangerschaft kommt. Dies ist ein natürlicher Vorgang. Mit dem Eintritt in die Wechseljahre ist der Vorrat der Eizellen schließlich erschöpft. Die fruchtbare Phase ist beendet. In diesem Alter haben Frauen ihre Familienplanung in der Regel bereits abgeschlossen.

Dieser natürliche Prozess weiblicher Reife kann durch äußere Faktoren beschleunigt werden. Ein Beispiel dafür sind mögliche Eizell- oder Follikelverluste, wie sie bei bestimmten Krebsbehandlungen vorkommen können. Die Fruchtbarkeit, aber auch die Weiblichkeit insgesamt, kann somit auch schon in jungen Jahren nachhaltig und dauerhaft beeinträchtigt werden.

Pubertät: Die Hormone kommen ins Spiel
Bis die Eizellen für die Fortpflanzung gebraucht werden, verharren sie nach der Geburt über viele Jahre im Ruhestand. Mit der Pubertät reift erstmals eine größere Gruppe von Follikeln heran. Hier kommen die Hormone ins Spiel, denn die heranreifenden Eibläschen bilden im zunehmenden Maße das weibliche Geschlechtshormon Östradiol , dem wichtigsten Vertreter der Östrogene , den weiblichen Geschlechtshormonen. Nach dem Eisprung produziert die zurückgebliebene Follikelhöhle weitere Hormone. Die leere Hülle wandelt sich in den so genannten Gelbkörper , der neben dem Östrogen auch die Gestagene mit dem für eine Schwangerschaft unverzichtbaren Sexualhormon Progesteron produziert. Dieses Gelbkörperhormon bereitet die Schleimhaut der Gebärmutter auf die Einnistung eines befruchteten Eis vor.

Keine Hormone ohne Botenstoffe
So wichtig wie die Eierstöcke als "Fabrik" für die weiblichen Sexualhormone auch sind - gesteuert wird der Hormonhaushalt und der monatliche Zyklus durch verschiedene Vorgänge im Gehirn. Ohne die vom Gehirn ausgesendeten Hormonvorstufen, das Follikel-stimulierende Hormon (FSH) und das luteinisierende Hormon (LH) , kann in den Eierstöcken keine Östrogenproduktion stattfinden. Erst durch die Stimulation der Eifollikel durch das FSH reifen die Eizellen heran, wodurch wiederum Östrogen vermehrt in den Eierstöcken ausgeschüttet wird. Erst wenn das LH den Eisprung ausgelöst und die Entstehung des Gelbkörpers eingeleitet hat, wird Gestagen produziert.

Der Initialzünder dieser kettenartigen Hormonproduktion und des Monatszyklus einer Frau ist das so genannte Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) . Es wird im Hypothalamus , einem Teil des Zwischenhirns, ausgeschüttet und ist verantwortlich dafür, dass FSH und LH über die Blutbahn zu den Eierstöcken geleitet wird.

Wie Hormone im Körper wirken
Neben der herausragenden Bedeutung der weiblichen Sexualhormone für die Fruchtbarkeit einer Frau, spielen die Östrogene eine ganz wesentliche Rolle für die Gesundheit der Frau und ihre körperliche Attraktivität. Östrogene, und hierbei vor allem das Östradiol , fördern das Wachstum der weiblichen Sexualorgane und bestimmen die Ausprägung der weiblichen Brüste und anderer sekundärer Geschlechtsmerkmale. Das macht sich schon in der Pubertät bemerkbar. Junge Mädchen reifen unter der Hormonproduktion zu jungen Frauen heran. Die Hormone wirken auf die subkutanen Fettdepots, wodurch sich die typischen weiblichen Körperformen ausprägen. Das Ende des Längenwachstums in der Pubertät ist ebenso hormonell bedingt wie der natürliche Schutz der Knochen vor Osteoporose, dem Abbau der Knochenmassen. Und Hormone können noch mehr: Sie lassen Haare wachsen, die Haut rosig aussehen und sie verbessern den Fettstoffwechsel. Doch es gibt auch eine Kehrseite: Hormone können das Brustkrebswachstum begünstigen.

Hormonentzug: Die Wechseljahre
Mit dem Eintritt in die Wechseljahre werden die Hormone nicht mehr in den Eierstöcken produziert. Als einzige "Östrogen-Quelle" bleibt das Fettgewebe, in dem Hormon mit Hilfe des Enzyms Aromatase aus bestimmten, auch bei Frauen vorhandenen, männlichen Hormonen gebildet werden kann. Diese Hormonmenge ist allerdings erheblich herabgesetzt, was sich durch Mangelerscheinungen bemerkbar macht. Somit beendet das Nachlassen der Östrogenproduktion in den Wechseljahren ( Klimakterium ) nicht nur die fruchtbare Phase, es macht den Frauen oft auch gesundheitlich zu schaffen.

Als sehr störend empfinden die meisten Frauen die häufigen Hitzewallungen und Schweißausbrüche, aber auch Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme sind belastend. Diese Störungen erlebt die Frau in der Phase, in der sich das vegetative Nervensystem noch nicht auf die verringerte Hormonmenge eingestellt hat. Schon zwei, drei Jahre vor den Wechseljahren leiden Frauen häufig unter dem prämenstruellen Syndrom (PMS) . Die Brüste schmerzen und schwellen an. Die Frauen leiden unter Völlegefühl, Ödemen und Gewichtszunahme. Viele von ihnen sind nervös, gereizt oder klagen über depressive Verstimmungen. Auch diese Veränderungen stören und belasten, lassen aber nach einiger Zeit nach. Eine wesentlich größere Gefahr für die Gesundheit der Frau sind die Langzeitfolgen eines dauerhaften Hormonmangels, vor allem die beschleunigte Entwicklung einer Osteoporose.

Wie Hormone das Brustkrebswachstum fördern
Bei den vielen positiven Wirkungen der Östrogene und den entsprechend negativen Auswirkungen eines Hormonmangels mutet es fast schon paradox an: Aber die Geschlechtshormone können auch schädliche Wirkungen haben. So wird gerade in letzter Zeit immer deutlicher, dass die körpereigenen Östrogene - ebenso wie die im Rahmen der Hormonersatztherapie bei Beschwerden in den Wechseljahren eingenommenen synthetischen Östrogene - bei einigen Frauen die Entwicklung und das Wachstum von Brustkrebs fördern können.

Hinweise auf die schädlichen Wirkungen der Östrogene ergeben sich unter anderem aus den Ergebnissen großer Bevölkerungsstudien. Danach erkranken Frauen, bei denen die Zeitspanne zwischen der ersten Regelblutung ( Menarche ) und der letzten Regelblutung ( Menopause ) besonders lang ist, häufiger an Brustkrebs als Frauen, die bei der Menarche einige Jahre älter und bei der Menopause einige Jahre jünger sind. Umgekehrt erkranken Frauen, denen frühzeitig die Eierstöcke ( Ovarektomie ) entfernt werden mussten, besonders selten an Brustkrebs.

Inzwischen haben die Wissenschaftler recht genaue Vorstellungen davon, wie Östrogene die Krebsentstehung fördern können. Und auch die zunächst überraschende Beobachtung, dass die Geschlechtshormone Brustkrebszellen zum vermehrten Wachstum anregen, können die Forscher heute gut erklären.

Bei vielen Frauen haben die Brustkrebszellen so genannte Hormonrezeptoren , also Bindungsstellen für weibliche Geschlechtshormone. Wenn hier Östrogene "andocken", werden so genannte Wachstumsfaktoren gebildet. Auch für diese körpereigenen Substanzen halten viele Brustkrebszellen spezielle Rezeptoren bereit. Wenn die Wachstumsfaktoren an ihnen festmachen, löst dies in den Krebszellen eine ganze Kaskade von Wachstumssignalen aus, die schließlich zu andauerndem, unkontrolliertem Wachstum führen. Für die betroffene Frau heißt das: Aus der zunächst winzig kleinen Geschwulst entwickelt sich ein immer größer werdender Brusttumor, der sich schließlich im ganzen Körper ausbreitet und die Knochen, Lunge und Leber, aber auch das Gehirn befallen kann.
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